Wir basteln uns ein CO2-Treibhaus

Hierfür benötigt man neben dem umgebauten Wassersprudler noch zwei größere Gurkengläser oder sonst zwei größere, verschließbare Behälter. Außerdem benötigt man etwas Watte, Wasser, Alufolie und zwei gleichgroße Minzezweige. Minze findet man im Sommer an vielen Orten, zum Beispiel an den Ufern von Bächen, Flüssen oder Teichen. Man kann sie sonst auch oft im Supermarkt oder in Gärtnereien kaufen.

Das folgende Experiment zeigt, daß manche Pflanzen mit mehr CO2 deutlich schneller wachsen. Tatsächlich wird in professionellen Gärtnereien - zum Beispiel in Holland - CO2 systematisch zur Düngung in Gewächshäusern eingesetzt. So werden besonders holländische Rosen gern mit CO2 gedüngt. Denn CO2 ist für die Pflanzen neben Wasser der wichtigste Stoff, sie bauen ihr ganzes Gewebe ja aus CO2, das sie durch Photosynthese in Kohlenstoff und Sauerstoff zerlegen. Wenn man ihnen daher mehr CO2 anbietet, dann wachsen sie besser.

Und so geht es:

  1. Gurkengläser öffnen, Gurken aufessen, Gläser gut spülen, Etikette entfernen.
  2. Auf eines der Gläser CO2 schreiben; in dieses Glas mit dem Schlauch des umgebauten Wassersprudlers CO2 einfüllen. Dazu den Schlauch auf den Glasboden legen, Knopf drücken und etwa eine Minute gedrückt halten. Dann das Glas verschließen
  3. Zwei gleichgroße Minzestengel abschnibbeln (ohne Blüten und ohne braune Blätter), und für diese aus klatschnasser Watte und der Alufolie einen Miniblumenkübel basteln, in dem der Minzstengel stabil steht und für etwa drei bis vier Wochen genug Wasser bekommt.
  4. Jetzt läßt man den einen Minzstengel mitsamt Kübelchen in das CO2-Gurkenglas, den anderen in das Luftgurkenglas gleiten. Wichtig ist, daß die Stengel in ihren Minikübeln aufrecht stehen und möglichst nicht den Rand des Glases berühren. Das Luftgurkenglas verschließt man sofort. Wenn man das Gefühl hat, daß aus dem CO2-Gurkenglas etwas CO2 entwichen ist, kann man noch vorsichtig nachfüllen - und dann: Deckel drauf.
  5. Beide Gläser stellt man nun an einen möglichst hellen, warmen Ort.
  6. Dann beobachtet man. Sollte sich zeigen, daß den Pflanzen doch Wasser fehlt, kann man vorsichtig den Deckel abschrauben und noch etwas Wasser nachträufeln.
  7. Nach etwa drei Wochen sollte sich zeigen, daß das Pflänzchen im CO2-Gewächshaus sich viel besser entwickelt hat als dasjenige im normalen Luft-Gewächshaus. Da die Bedingungen für die beiden Pflanzen ansonsten gleich waren, ist dies auf das CO2 zurückzuführen.

Man kann den Versuch sicherlich auch mit anderen Pflanzen durchführen - mit Minze funktioniert er aber erfahrungsgemäß wirklich gut. Manchmal allerdings, so haben wir festgestellt, kommt es vor, daß die CO2-Minzen schwarze Blätter bekommen und eingehen. Das scheint vor allem dann zu passieren, wenn die Blätter feucht werden. Übrigens ist das unterschiedliche Wachstum nicht das einzige, was man im CO2-Treibhaus beobachten kann. Wenn nämlich an den Minzstengeln noch irgendwelche Blattläuse oder andere Insekten saßen, so stellt sich heraus, daß diese in der CO2-Luft eingehen, während sie sich in der normalen Luft gut halten. CO2 wirkt auch auf Insekten erstickend!

Der Minzeversuch hat eine lange, eindrucksvolle Tradition. Es war nämlich die Minze, die mit ihrem Duft den britischen Forscher Joseph Priestley auf die Spur der Photosynthese brachte. Priestley beschäftigte die Frage, wie man „verdorbene Luft" wiederherstellen könne. Er wußte, daß Tiere und Menschen beim Atmen eine bestimmte Luftart, die von ihm sogenannte fixe Luft ausstoßen - geschieht dies in einem geschlossenen Raum, so reichert sich die fixe Luft an, und die Lebewesen ersticken schließlich. Er dachte nun, daß die Minze, ein seit dem Altertum wegen ihres Duftes geschätztes Heilmittel, vielleicht mit ihrem Aroma die verdorbene Luft wiederherstellen könne. Und tatsächlich stellte er fest, daß die Minze nach einigen Wochen verbrauchte Luft wieder „erneuern" kann, und zwar so umfassen, daß Mäuse diese Luft wieder atmen können. Obwohl er den Prozeß, der später Photosynthese genannt wurde, nur ansatzweise verstand, war er damit auf einen Zusammenhang gestoßen, der das menschliche Naturverständnis grundlegend umgewälzt hat. Die Tiere, und damit auch die Menschen sind auf die Pflanzen angewiesen, nicht nur, weil sie diese als Nahrung benötigen, sondern auch, weil die Pflanzen beständig die Luft erneuern!

Nachdem Priestley feststellte, daß die wohlriechende Minze die Luft „repariert", versuchte er es anschließend mit der ebenfalls duftenden Melisse, ehe er entdeckte, daß sogar stinkende Pflanzen denselben Dienst tun. Der frische Duft hat mit dem Effekt nichts zu tun, allerdings wäre er ohne diesen Duft wohl kaum auf die Idee zu seinem bahnbrechenden Experiment gekommen. Er verallgemeinerte kühn, daß alle Pflanzen beschädigte Luft erneuern können - solange sie wachsen. Seine Zeitgenossen erkannten die ungeheure Tragweite seiner Entdeckung sofort. Als ihm die Royal Society in London eine Medaille verlieh, schwelgte deren Präsident, der bärbeißige und an sich überhaupt nicht lyrische John Pringle: „Diese Entdeckungen überzeugen uns, daß keine Pflanze umsonst wächst. Von der Eiche herunter bis zum niedrigsten Gräsgen ist iede Pflanze dem Menschen nützlich. Kann man auch nicht allezeit den besonderen Nutzen iedes einzelnen Gewächses einsehen, so ist es doch gewiß ein Theil des Ganzen und trägt zur Reinigung der Atmosphäre das seine bey. Hierinn hat die duftende Rose und die giftige Wolfskirsche einerley Bestimmung..."